Kongress 2021

pflegekongress2021 02 

Lesen Sie hier eine Rückschau von Elisabeth Linseisen,
Vorsitzende Landesgruppe Bayern

Abstracts

Dr. theol. Andreas Lob-Hüdepohl
Professor für Theologische Ethik an der KHS Berlin

«Wer hält wessen Hand?»

„Augenblicke haben eine zeitliche und eine leibliche Dimension: zeitlich stehen sie für ein Moment, der Innehalten lässt, in dem sich vielleicht Entscheidendes ereignet; leiblich, weil der Blick eines Auges eine beinahe intime Beziehung zwischen den Blickenden und den Erblickten stiftet. Dieses Leibliche, dieses Taktile eines Augenblicks hat eine große Bedeutung und eine lange Karriere. Schon in den biblischen Erzählungen, die von heilsamen Begegnungen des Mannes aus Nazareth und Menschen berichten, die sich wenigstens von einem kurzen Augenblick des leiblichen Berührens eine Besserung erhoffen. All dies ist auch für die Pflege hoch bedeutsam – gerade in einer Zeit, in der wie in der Pandemie gerade die leiblich-physische Begegnungen zu Pflegebedürftigen schmerzlich auf der Strecke blieb; oder in einer Zeit, in der verstärkt auf Pflegerobotik gesetzt wird, die ‚gute Pflege‘ unterstützen soll.“

 

Mareike Hechinger, MscN
Gesundheits- und Krankenpflegerin und Pflegewissenschaftlerin Wissenschaftliche Mitarbeiterin TH Deggendorf und ZHAW Zürich

Vertrauensvolle Begegnungen in der Beziehung zwischen pflegenden Angehörigen, Patient*innen und beruflich Pflegenden

Beziehungen in der pflegerischen Versorgung können je nach Setting mitunter mehrere Jahre dauern und können, gerade im ambulanten Pflegesetting, Teil der Lebenswelt von Patienten*innen werden.
Der Vortrag befasst sich mit der Frage, was Vertrauen ist und welche Rolle Vertrauen in der Beziehung zwischen pflegenden Angehörigen, Patient*innen und beruflich Pflegenden spielt. Es wird thematisiert, was die einzelnen Beteiligten in die Beziehung einbringen und wie sich Vertrauen in der gegenseitigen Beziehung entwickelt.
In der pflegerischen Versorgung ist oft von Machtungleichgewicht, von blindem Vertrauen oder Vertrauen-müssen die Rede. Es kann zu Konflikten und kommunikativen Missverständnissen in diesem Beziehungsdreieck kommen. Neben diesen Themen geht es im Vortrag darum, was beruflich Pflegende tun können, um Vertrauen zu fördern.

 

Dr. Christoph von Dach
Stv. Direktor Pflege soH
Leiter Pflegeentwicklung soH, Solothurn,
Honorary Lecturer Queen Margaret University, Edinburgh UK

Die Entwicklung personzentrierter Pflege im Akutspital –
Ein Erfahrungsbericht aus der Schweiz

Die Solothurner Spitäler AG (soH) ist eine schweizerische Spitalgruppe mit drei kantonalen Akutspitälern sowie den kantonalen Psychiatrischen Diensten, mit insgesamt rund 1300 Pflegefachleuten. Aufgrund von Neubau und strukturellen Veränderungen, wie z.B. die Einführung von Lean Hospital hat die Pflegedirektion Handlungsbedarf festgestellt. Zusammen mit Ihren Managementpersonen, der Bildung und der Pflegeentwicklung wurde nach Wegen gesucht, die Patient*in, dessen Umfeld und die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt der weiteren Pflegeentwicklung zu stellen. So wurde vor drei Jahren entschieden, die Bezugspflege zum Konzept Pflege soH weiterzuentwickeln. Dies führte zur Integration der personzentrierten Pflege im gesamten Pflegedienst, mittels der evidenzbasierten Middle Range Theorie des Person-centered Practice Frameworks (McCormack und McCance 2017). Das Ziel der personzentrierten Kultur im Akutsetting ist die Entwicklung der Arbeitsprozesse von optimierten Kundenprozessen, hin zu Prozessen in denen der Patient*in, deren gesamtes Umfeld sowie die Pflegefachpersonen die Grundlage und das Zentrum bilden. Das Ziel dieser umgestalteten Prozesse ist die gesundheitsförderliche Kultur für alle Beteiligten. Als ein Bestandteil der Veränderungen wurde die Zusammenarbeit der Pflegefachleute mit unterschiedlichem Bildungsniveau in sogenannten Pflegetandems analysiert und neu organisiert. Damit einhergehend wird eine optimierte Patientensicherheit und -zufriedenheit und eine verbesserte Mitarbeiter*innen Zufriedenheit erwartet. Mittels dem neuen Konzept Pflege soH wird den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft, nach ganzheitlichem Einbezug und vollwertigem Mitbestimmen deutlich besser entsprochen werden.
Im Vortrag wird das Vorgehen, der Mehrwert, die ersten Ergebnisse und grundsätzliche Überlegungen zur personzentierten Kultur im Akutsetting präsentiert und zur Diskussion gestellt.

 

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